Stoppt „Fat Acceptance“ – Warum diese Bewegung so gefährlich ist

Seit einiger Zeit gibt es nun die Bewegung „Fat Acceptance“. Im Grunde geht es darum, übergewichtigen Menschen mehr Toleranz entgegenzubringen. Soweit, so gut. Natürlich sollte man alle Menschen erst einmal so akzeptieren wie sie sind und tolerieren. ABER ich persönlich finde, dass es eben doch Grenzen der Toleranz geben sollte, oder zumindest ein kritischer Blick auf die Dinge gerichtet werden darf, ohne dass man gleich als „Hater“ oder schlimmeres abgestempelt wird. Mal abgesehen von den Forderungen, die die Fat Acceptance Bewegungen an die WHO stellt, ist diese Bewegung in Bezug auf ihre Toleranzforderungen Übergewichtigen gegenüber sehr kritisch zu betrachten.

Kurzer Überblick über die Fat Acceptance Bewegung

«Die Fat Acceptance-Bewegung betont den radikalen Charakter der Bewegung, die ein Zurückerobern und eine Umwertung vom negativ behafteten Adjektiv fat zu einer neutralen Beschreibung anstrebt. Die Bewegung, die inzwischen durch das Internet wieder an starkem Zulauf gewinnt, hat ihre Wurzeln sowohl in den sozial-reformerischen Graswurzel­bewegungen[wp] der sechziger und siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts als auch in der zweiten und dritten Welle des Feminismus in den USA. Diese setzten sich im Vergleich zur ersten Welle verstärkt auch mit Diskriminierungs­formen jenseits von Sexismus auseinander, indem sie die eigene Einbindung in gesellschaftliche Herrschafts­verhältnisse reflektierten. Die nach wie vor größte Organisation der Fat Acceptance-Bewegung, die National Association to Advance Fat Acceptance[wp] (NAAFA), gründete sich 1969 als Selbsthilfe- und Lobby­gruppe. Vier Jahre später, 1973, spaltete sich ein radikalerer Teil feministischer Aktivistinnen, beeinflusst durch Ideen der radical therapy-Bewegung, ab und nannte sich Fat Underground. Das Konzept der radical therapy entstand als Reaktion auf konventionelle psycho­therapeutische Analyse­mittel und -methoden, sah den Ursprung psychologischer Probleme in der repressiven Verfasstheit des Gesellschafts­systems und verwies so auf den Zusammenhang von Gesellschafts- und Psychologie­kritik. […]»[2]

Ich bin heute über den Artikel: „Lizzy tanzt trotz starken Übergewichts“ in der Onlinezeitung Jetzt gestoßen. Irgendwie hat dieser Artikel mein innerliches Fass zum überlaufen gebracht. Die Autorin des Artikels schreibt ganz zu Angang des Artikels:

Lizzy Howell ist 15 Jahre alt und schon jetzt ein Internetstar – weil sie Ballett tanzt, obwohl viele ihr das nicht zutrauen würden. Denn Lizzy hat starkes Übergewicht und entspricht damit nicht annähernd der Idealvorstellung einer dürren Primaballerina.

Das erste, was mir persönlich daran sauer aufstößt, ist der Satzteil: „…entspricht damit nicht annähernd der Idealvorstellung einer dürren Primaballerina.“ Denn diese Worte verkörpern die Doppelmoral „Dick sein ist ok, Dürr sein nicht!“. Das fällt auch in die Kategorie der Sprüche: „Real women have curves!“ und „Only dogs like bones!“ usw. Im Umkehrschluss ist es also schlimm einer dicken Person zu sagen, dass sie dick ist, aber völlig akzeptabel einer dünnen Frau ohne Kurven zu sagen „nur Hunde stehen auf Knochen!“. Was soll das?

 

Zurück zu Lizzy. Lizzy ist eine stark übergewichtige 15 Jährige Amerikanerin, die gerade viral auf Instagram geht. Lizzy ist ein hübsches, fröhliches Mädchen und arbeitet als Werbebotschafterin zusammen mit „Dancing for you“, einer Organisation, die Kinder und Jugendliche mit Behinderungen oder speziellen Bedürfnissen unterstützt. Sie postet Bilder und Videos auf Ihrem Account Lizzy.dances auf denen sie wirklich beeindruckend gut tanzt. Kommen wir aber nun zum Problem, dass ich damit und mit der ganzen „Fat Accaptance“ Bewegung habe.

Natürlich sollen Lizzy und alle anderen tun, was sie für richtig halten. Natürlich ist es falsch wenn ein Kind aufgrund des Gewichts, bei einer Tanzschule abgelehnt wird! Natürlich bin ich gegen sowas!

ABER sobald man so in der Öffentlichkeit steht, übernimmt man doch einen gewissen Grad an Verantwortung für das, was man propagiert. Meine Frage lautet nun: Sollte man Übergewicht wirklich als akzeptabel, ungefährlich und normal propagieren?

Ich finde nicht! Übergewicht ist gefährlich genauso wie zu starkes Untergewicht! Der Mensch ist keinesfalls darauf ausgelegt übergewichtig zu sein. Gerade Kinder und junge Menschen leiden extrem unter Übergewicht. Ihnen nun die Botschaft „Es ist vollkommen ok wie du bist! Du kannst alles schaffen!“ zu vermitteln, ist deshalb sehr kritisch zu betrachten. Es könnte bei vielen den Eindruck erwecken, dass es überhaupt nicht ungesund ist übergewichtig zu sein. Aber Übergewicht ist gesundheitsgefährdend und schränkt jeden, früher oder später massiv ein. Außerdem finde ich die Botschaft: „Ich kann toll tanzen TROTZ meines Übergewichtes“ fragwürdig. Denn Lizzy könnte genau so gut tanzen, wenn nicht besser, wenn sie ein normales Gewicht hätte. Adele könnte genau so gut singen, wenn sie schlanker wäre. Lizzy und Co, benutzen ihr Übergewicht als Unique selling Point. Als Alleinstellungsmerkmal. Es wird so getan, als ob das Übergewicht eine angeborene Einschränkung sei, gegen die man schlichtweg machtlos ist. Dies ist übrigens auch das Argument der „Healthy at every  size“ Bewegung, die den Irrglauben verbreitet das Übergewicht genetisch bedingt sei.

Ebenfalls kritisch zu betrachten, ist die Tatsache, dass sich Influencer wie Lizzy, Marylin Wann (FAT?SO! ), Ragen Chastain (Dances With Fat), Substantia Jones ( Adipositivity) usw. über ihr Gewicht definieren! Magersüchtige tun dies übrigens auch und bei denen ist sich die Gesellschaft sehr einig. Das ist krank! Es ist aber nicht nur das, es ist auch dass diese Personen anderen Übergewichtigen eine falsche Wohlfühlblase vorgaukeln. „Es ist ok so! Ich muss überhaupt nicht abnehmen! Sie ist dick und hat auch Erfolg!“. So bleiben die meisten dann bei ihren Gewohnheiten und werden im schlimmsten Fall noch dicker und jeder der sie kritisiert, auch wenn er es vielleicht wirklich nur gut meint, wird als intolerant abgestempelt. #stopfatshaming

Natürlich gönne ich jedem seinen Erfolg. Natürlich soll jeder eine Chance haben und erfolgreich sein dürfen. Aber man sollte sich seiner Verantwortung, gerade gegenüber jungen Menschen im Klaren sein. In dem Buch „Fettlogik überwinden“ geht die Autorin Dr. Nadja Hermann auch auf dieses Thema ein und ich gebe ihr vollkommen recht. Mehr zum Buch „Fettlogik überwinden“ erfährst du hier.

Auch ich habe stark am Übergewicht gekratzt und es hat eine ganze Weile gedauert bis ich akzeptiert habe, dass es einfach an meinen Ess- und Bewegungsgewohnheiten liegt und nicht etwa an meinem „kaputtem Stoffwechsel“.  Alle sind in der Lage ein gesundes Normalgewicht zu erreichen! (Ich höre jetzt schon die Stimmen derer, die sagen „Nein ich habe die und die Krankheit!“ „Nein ich nehme das Medikament!“ „Nein das stimmt so nicht!“ Blablabla) Ich weiß! Ich weiß, es ist einfacher, sich einzureden, dass es an etwas ganz anderem liegt! Das habe ich auch sehr lange. Ich weiß, dass viele Übergewichtige sich überhaupt nicht eingeschränkt und gesund fühlen. Ich bitte alle diese Leute, sich einfach mal hinzusetzen und wenigstens das 1. Kapitel des Buches „Fettlogik überwinden!“ zu lesen und diesen Gedanken genau so offen gegenüber dazustehen, wie sie es vom Rest der Gesellschaft in Bezug auf ihr Übergewicht verlangen.

Ich sage nicht, dass es eine absolute Wahrheit gibt. Ich sage:

  1. Kein Extrem, in Sachen Gewicht, ist gesund!
  2. Toleranz ist keine Einbahnstraße!

 

 

 

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